Reparatur der Luft-Standheizung Webasto LO2305

Diese Warmluftheizung ist in meinem Bus Mercedes Benz MB 208D-KB Bj. 1989 eingebaut.

Nachdem sie nicht mehr zünden will, werde ich sie überholen und versuchen, sie zu reparieren.

Ausgebaut hab ich sie schon, weitere Schritte werde ich hier mit Bildern beschreiben.

Die LO-2305 ist eine Luftheizung. Eine sehr gute Beschreibung zu einer Wasser-Standheizung WO2352 findet man unter:
http://www.hehlhans.de/staheiz.htm
Diese ist sehr ähnlich zur LO 2305 aufgebaut, weshalb ich die
dort umfangreich beschriebenen Teile und Pläne hier nicht wiederhole.

In den beiden m.E. wichtigsten Foren für alte Busse habe ich zu diesem Thema Threads gestartet:
in der Bus-Commutity: http://www.bus-community.eu/fahrzeugthemen/board37-sonstiges/9182-reparatur-einer-diesel-standhzg-webasto-lo2305/
und bei den Bus Freaks:
http://www.busfreaks.de/strohrum/showthread.php?id=40593

Eingebaut ist sie in einen rechteckigen Blech-Kasten in der Mitte der linken Seite. Der Kasten ist zur Fahrzeugmitte hin offen. Der Heizungs-Auspuff kommt
auf der Aussenseite aus dem Kasten und liegt vor dem Fahrzeugauspuff. Unter dem Fahrersitz wird die Kabinenluft angesaugt und per Alu-Wellschlauch zur
Heizung geleitet. Die Warmluft wird in Fahrzeugmitte links in das Fahrzeug geblasen. Die Heizung hat keinen Regler und wird mit einem Schalter am
Armaturenbrett geschaltet. Eine Kontroll-Lampe ist bei den anderen Kontrolleuchten am Tacho angebracht. Die Heizleistung lt. Typ-Schild ist 4kW.
Die elektrische Versorgung erfolgt über eine 6-adrige Leitung und ein Masse-Kabel. Anschluss-Stecker ist eine 6er Lüsterklemme mit Steck-Kontakten.
Die Verbrennungs-Luft wird im Blechkasten über einen dünneren Wellschlauch über ein rundes Gehäuse (=Versorgungs-Einheit) angesaugt.

Fehlerbild:
Schalte ich die Heizung ein, bricht die Bordspannung deutlich ein (z.B. v. 12,7 auf 12,1V = hoher Strom). Nach ca. einer Minute läuft ein Lüfter an.
Es kommt weisser Qualm aus dem Auspuff und man hört schwache, dumpfe und unregelmässige Zündungen. Es klingt nach einer kleinen Verpuffung
und oft gibt es Rauchkringel. Manchmal, nach mehreren Startversuchen, geht auch noch der Umluftventilator an, der die Luft vorne vom Fahrersitz ansaugt.
Nach zwei Minuten geht alles aus. Ich habe schon einige Minuten bei eingeschalteter Heizung gewartet (unter 5), aber keine weiteren Geräusche sind zu hören
und sie läuft nicht wieder an. Ich habe schon viele Startversuche "aus - ein" im Abstand von ca. 15 Minuten gemacht - half aber nix.

Dies ist der vom Fahrzeug abmontierte Kasten. Ansicht von Fahrzeugmitte und vorne. Rechts ist der Kaltluft-Einlass zu sehen. Dort ist ein Alu-Wellschlauch angeschlossen, der die Luft unterhalb des Fahrersitzes hier her leitet.
Der in der Mitte dickere Wellschlauch ist die Ansaugung der Verbrennungsluft mit Schalldämpfer. Darüber ist der Schaltkasten, mit "Webasto" bezeichnet.
Vorne ist der Kasten in Gummiringen wie ein Auspuff gelagert. Im Bild ist links vom Ansaugstutzen eine graue Gummiöse erkennbar.

Von hinten, aus Fahrzeugmitte gesehen erkennt man den Warmluftaustritt (D=72mm).

Oben am Kasten ist das Blech für die hintere Befestigung mit den Einschweissmuttern zu sehen.

Hier nochmals die Schlauchführung der Verbrennungsluft hin zur Versorgungseinheit, die hinter dem dicken Wellschlauch (mit Schlauchbinder, D=72mm) liegt.

Der geöffnete Anschlusskasten. Die Lüsterklemme links trägt die Steckkontakte des 6-fach-Steckers zum Steuergerät. Zusätzlich ist noch ein Rundstecker (rot, unten) und ein Flachstecker 6,3mm (schwarze Isolierung, oben, zum Kaltluftgebläse) sowie ein Massekabel angeschlossen. Masseverbindung nach aussen ist ein 4-fach Flachstecker links neben der Rändelschraube. Intern ist die Masseschraube mit den rechts von der Rändelschraube sichtbaren Kabelösen auch gleich die Verschraubung des Deckels. Die Temperatur-Schalter können mit einem Lötkolben von mind. 50Watt geprüft werden.
Belegung des Lüsterklemmen-Steckers, Von oben gezählt:
Die beiden obersten Anschlüsse gehen zur Versorgungseinheit
Der oberste Anschluss ist eine Brücke zu 3
Die Leitung zur zweitobersten Klemme kommt von der Temperatur-Schmelzsicherung, die oberhalb des Blechs mit Plastik-Flansch ins Heizungs-Gehäuse geschraubt ist.
1 Temperatur-Schmelzsicherung 100°C, oberhalb Blech
2 Glühkerze und Heizband +12V
3 Temperaturschalter 90°C und Brücke an oberste Lü-Klemme
4 Temperaturschalter 90°C, kalt geschlossen, mit Lötko. offen
5 Flammwächter (136°C ?? ), kalt offen
6 Flammwächter (136°C ?? ), mit Lötkolben geschlossen
roter Rundstecker: Hochspannungs-Zündgerät +12V

Von der Fahrzeugaussenseite sieht man nur den Auspuff und die 4 Schrauben, die Brenner mit Wärmetauscher halten.
Das Auspuffrohr war sehr verrosten und später stellte sich heraus, dass abgelöste Rostteile der Grund für die Fehlfunktion war.

Als nächstes gehts an die Versorgungseinheit:

Rund, im Hintergrund, saugt über den Wellschlauch Verbrennungsluft an. Sie ist mit einem großem Schlauchbinder auf dem Lagerbock befestigt, der im Bild unten zu sehen ist und mit Blechschrauben an den Kasten befestigt ist.

Hier ist bereits die Zuluftführung von der der Versorgungseinheit abgeklemmt Schlauchbinder und Lagerboch sind hier gut zu sehen.
Hier sieht man auf den Brenner im Warmlufauslass (D=72mm) und rechts auf die Versorgungseinheit
Löst man die Blechschrauben vom Bock der Versorgungseinheit und diese vier Muttern neben der Auspuffbefestigung, dann kann man die Heizung und Versorgungseinheit aus dem Kasten nehmen.
Links die Heizung, rechts die Versorgungseinheit

Es bleibt nur noch die Zündeinheit im Kasten. Diese ist mit 2 Stück M5er Schrauben befestigt.

Prüfung:
Zündkabel und den Flachstecker auf die Glüh-Zündkerze stecken, Minus 12V an die Kerze/Flachstecker-Verbindung und +12V an den Rundstecker. Es müssen summende Dauerfunken an der Kerze entstehen.
VORSICHT! Lebensgefährliche Hochspannung, die bei fehlerhafter Kabelisolation auch dem Tester gefährlich werden kann!!!

Nachdem auch die Dieselschläuche und der Luftschlauch für den Brenner in der Standheizung abgeklemmt ist, kann man die Versorgungseinheit mit samt Lagerbock (hier oben zu sehen) abnehmen

Deckel auf!

Weiss ist die Pumpe für Diesel. Hier kann die Fördermenge durch Drehen des Gehäuses reguliert werden.

Hier ist die Versorgungseinheit zerlegt.

Links unten die "Dose", in der die Einheit mit Schalldämmung eingebaut ist.

An der Versorgungseinheit ist rechts oben, weiss, die Spritpumpe und unten das Gebläse für die Verbrennungsluft zu sehen. Das dicke Messingrohr ist die Druckseite zum Brenner hin.

Nicht zu sehen ist das Magnetventil, das das hintere dünne Messingrohr (oben zu sehen) bedient - die Druckseite zum Brenner hin.

Siehe dazu auch den o.a. Link zur Seite von Dr. Hans Hehl.

Drei Kabelphasen gehen zur Einheit:

  • Masse
  • Magnetventil 12V
  • Gebläsemotor 12V

Kappe abnehmen und schon sieht man den Brenner mit der Dieselzuführung durch das dünne Messing-Rohr

Das dicke Messingrohr mit Sicke führt die Luft zum Brenner und darunter liegt der Auspuff

Im Wärmetauscher wird die Flamme zentral zur Kaltluftseite hin geblasen und in einem darum angeordneten Mantel koaxial wieder zurück zum Auspuff geleitet

Die Schlauchschelle befestigt ein Heizband am Brenner, um dessen Wand beim Starten aufzuheizen. Dieses ist parallel zum Glühwendel der Kerze verschaltet.

Nach Lösen des Federbügels kann man, mit etwas Kraft, die gesteckten Düsenteile aus dem Brenner ziehen.

Das große Loch am linken Teil ist für die Glühkerze.

Diesel wird im rechten Teil durch die Düse zerstäubt und im linken Teil mit der Luft aus der Versorgungseinheit gemischt. Diese wird durch die kleinen Bohrungen am Umfang zugeführt. Das Luft / Brennstoffgemisch wird an die ins große Loch ragende Glüh-Zündkerze geblasen und dort entweder am Glühwendel oder am Zündfunken gezündet.

Kerze und Typ, Schlüsselweite 22mm

Zentral ist die Funkenelektrode zu sehen, aussen herum der Glühwendel und darum das Schutzrohr.

Eine Übersicht:

Ganz oben über dem Blech ist in einem weissen Plastikflansch eine Temperatur-Schmelzsicherung 100°C im Warmluftstrom (2). Ersatz gibts z.B. bei Fa.Conrad.

Flammwächter weiss (1), liegt links, neben den Lüsterklemmen.
Dessen Anschlussleitungen gehen zu den beiden untersten Steckverbindern der Lüsterklemmen

Temperaturschalter rechts oben (3). Seine beiden Anschlüssen führen zu den beiden mittleren Lüsterklemmen.
Die Glühkerze mit Zündkabel ist rechts unten (4).

Links oben das helle Kabel führt zum Gebläse für die Kaltluftzuführung. Ein Pol geht an die Flachsteck-Masse. Der Schwarze, isolierte Flachstecker, der über den Lüsterklemmen "schwebt", geht an die Steuereinheit.

Zuluftgebläse für den Wärmetauscher, rechts oben der Flammenwächter

Blick auf den Wärmetauscher mit Flammwächter rechts oben.

Dieser Wärmetauscher MUSS IN ORDNUNG UND DICHT SEIN, SONST GELANGEN VERBRENNUNGSABGASE IN DAS FAHRZEUG!!!!!

Inzwischen konnte ich alle Komponenten erfolgreich prüfen und viel Dreck aus der Auspuffgegend puhlen. Hoffentlich war das der Grund. Nun baue ich die Versorgungseinheit wieder zusammen und dann hänge ich alles an das Steuergerät im Bus und teste die Gesamtfunktion.......
und zwar MIT ERFOLG!
Der Auspuff war innen sehr verrostet und irgendwie sind Rostteile in die Heizung gelangt. Dort haben sie den Auslass des Brennraums verstopft. Nach dem Reinigen mit Waschbenzin und Kaltreiniger war der Auslass wieder komplett frei. Dazu habe ich den Brennraum mit Reiniger zu 3/4 geflutet, alle Öffnungen mit Korken verschlossen und kräftig geschüttelt. Dies öfters wiederholt bringt den ganzen Dreck ans Tageslicht. Gleichzeitig sieht man auch, ob der Brennerraum noch dicht ist. Siehe die Warnung weiter oben.

Das durchgerostete Auspuffrohr habe ich mit Wasserleitungsteilen aus Kupfer mit Durchmesser 22mm nachgebaut. Eine 22mm-Muffe passt sehr gut auf das Auslassrohr des Brenners. Dann den Rest mit Rohr und Winkeln nachgebaut und hart verlötet, da die Temperatur am Auslass über den Schmelzpunkt von Weichlot kommt..

Den ersten Test bitte im Freien und ohne Anschluss der Zu- und Warmluftschläuche durchführen! Meine Reinigung mit Benzin und Kaltreiniger erzeugte trotz sorgfältiger Trocknung anfangs dicke Nebelschwaden.

Nun schnurrt sie wieder....

Auf meiner Suche nach der Steuerungseinheit wurde ich nicht fündig.

Wer kann mir einen Tip geben, wo beim 208D diese Steuerung sitzt?

Viel Spass und Erfolg beim Reparieren!

Thomas Meier

 

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Last revised: 05-Nov-2010